RCM @ 12h Jihlava MTB Rennen (Simon)

Erfolgreicher Ausflug nach Tschechien

Ich hatte also doch nicht ganz so unrecht, absurd lange mit dem Mountainbike im Kreis zu radeln liegt mir scheinbar doch ein wenig. Zwei Jahre nach einem sehr unglücklichen Verlauf des 24h MTB Rennens in Jihlava lief dieses Jahr so ziemlich alles wie am Schnürchen für uns.

Da ich in meinem derzeitigen Trainingszustand (oder Alter?) irgendwie keine 24h solo zustande bringe habe ich über längere Zeit bei diversen Bachstub’n Aufenthalten nach Verstärkung für ein 24h Rennen gesucht, und diese – wenig überraschend – mit Walter gefunden. Als es dann an die konkrete Planung ging, waren die Eckpunkte eigentlich schnell klar. 2 Mann fahren je 12h MTB in Tschechien und dann trinken wir ein wohlverdientes tschechisches Bier. Bei nochmaligem Überlegen, erschien mir die Idee, die 12h gleichzeitig zu fahren, und dann um ca. Mitternacht ein Bier zu trinken, irgendwie schlauer als 24h im Team zu fahren und dann zu Mittag beim Bier einzuschlafen… Strategisch ideal habe ich Walter über diesen Plan einen Tag vor dem Ende des Frühbucherzeitraums unterrichtet und 10 Min später waren wir beide angemeldet…

Am Tag vor dem Rennen reisen wir zunächst ganz entspannt an, und wollen im Hotel einchecken. Dabei gibt es etwas Verwirrung, da scheinbar unsere zwei Zimmer zu einem zusammengelegt wurden… kein Problem ich werde umgehendst auf ein Appartment umgebucht.

Standesgemäß untergebracht – Teil 1

Nachdem wir hier schon so sehr nett in Jihlava empfangen wurden, haben wir uns auf den Weg zum Fahrerlager gemacht wo die standesgemäßes (?!) Begrüßung gleich weiterging. Dem Obstler (siehe dazu auch Walters Bericht) konnten wir noch widerstehen, schließlich war da ja noch die wichtige Aufgabe, das neue RCM-Rennzelt einzuweihen. Nachdem wir uns auch noch die Startnummer geholt und montiert hatten, gab es dann das wohlverdiente Bier zum Abendessen…

Standesgemäß untergebracht – Teil 2 – Vor dem Start

Nach einem hervorragendem Frühstück ging es am nächsten Morgen bei besten Wetterverhältnissen an den Start (wir bekamen eine Sonder-Fahrerbesprechung in 5 Minuten – alte Rennpferde brauchen scheinbar keine 40 Minuten Ansprache – oder Tschechisch ist einfach eine viel kompliziertere Sprache als Englisch).

Ich bin an sich schon vor dem Start zufrieden mit unserem Road-Trip nach Jihlava, weil das Hotel, das Bier zum Abendessen, die Stimmung beim Rennen einfach nett sind… Da wird es doch höchste Zeit wieder mal eine steile Zielvorgabe rauszuschießen. 200 km gehen sich locker aus … Platzierungstechnisch tun wir uns etwas schwer mit der Zielvorgabe, da aber scheinbar nur 12 Teilnehmer im 12h Rennen gemeldet sind, sollte sich doch wohl ein Top 10 Resultat ausgehen.

Überschaubares Starterfeld

Um 11 Uhr dann der zeremonielle Start auf dem Startplatz und es geht – durchaus rasant – neutralisiert bis ins Fahrerlager. Ich komme da schon ins Schwitzen um bei Walter dranzubleiben und versuche erst gar nicht mit ihm in der ersten Steigung nachzufahren.

Offizieller Rennstart … Ich sehe Walter am Horizont entschwinden

Ich versuche wirklich nicht zu schnell loszufahren, aber die Steigungen jagen meinen Puls doch gleich wieder Richtung 180. Dennoch lichten sich die Reihen rund um sich sehr schnell und nach ca. einer Runde bin ich schon ziemlich alleine unterwegs. Ich versuche in einen Rhythmus zu kommen und bleibe ca. jede 2 oder 3 Runde stehen um die Trinkflasche aufzufüllen, und was kleines zu essen. Nach ein paar Runden frage ich mich, wann Walter mich denn überrunden wird. Aber irgendwie geht es sich zunächst mal aus, dass ich die langsameren 24h Solo-Fahrer überrunde. Nach ca. 10 Runden ist es dann so weit und Walter überrundet mich das erste Mal.

Zwei Dinge werden zunehmend klar, die 200 km-Ansage war dann doch wohl etwas steil, da sich nach ein paar Runden die kurzen steilen Anstiege doch in meinen Beinen bemerkbar machen. Andererseits, halten sich die Überrundunen von den anderen 12h Teilnehmern doch angenehm in Grenzen, so ganz weit hinten liege ich vielleicht gar nicht. Und irgendwie glaube ich, Walter könnte doch irgendwie ums Podium mitmischen. „Glauben“ heisst allerdings auch „nicht wissen“ und ganz ehrlich, ich habe keine Plan wie wir im Rennen liegen.

Irgendwann machen sich die Anstiege durchaus in den Beinen bemerkbar

Plötzlich ziehen dicke Wolken auf und das perfekte Radfahrwetter wird von einem Regenschauer unterbrochen. Ich bin zunächst noch nicht zu unglücklich über die Abkühlung, nach einer Runde im Regen denke ich mir dann allerdings doch, dass es sinnvoll wäre die Regenjacke anzuziehen um nicht auszukühlen. Kaum habe ich die Regenjacke an, hört es auf zu regnen und überhitze gleich beim nächsten Anstieg… also, nächste Runde, Regenjacke wieder aus und mir ist gleich sofort kalt…. aber nur bis zum nächsten Anstieg. Mittlerweile hat mich Walter zum zweiten Mal überrundet und ich sehe mein 200 km Ziel in weite Ferne rücken.

Dafür sind diese Streifen auf der Stiege doch da…

Gleichzeitig ist es auch so, dass die Zeit doch schon etwas vorangeschritten ist, und ich mich mit dem Bier nach dem Rennen schon motivieren kann. Der Regen hat die Strecke etwas rutschig gemacht, aber es trocknet langsam wieder auf. Kurz vor 9 treffe ich Walter beim Zelt und wir montieren beide unsere Lichter. Irgendwie beruhigend, dass auch Walter schon mal zugibt, dass er ganz schön „gepeckt“ ist. Trotzdem zieht er unaufhaltsam von mir davon und ich fange an zu rechnen, wieviele Runden sich für mich noch ausgehen. Ich stelle fest, dass es sich knapp für 23 Runden ausgehen könnte, aber meine Beine und meine Psyche teilen mir recht deutlich mit, dass ich die 22 Runde so anlegen soll, dass sich keine 23te mehr ausgeht. Gesagt getan, ich bummle 5 Minuten in der Wechselzone herum und rolle gleichmässig um den Kurs und komme um kurz nach 23:00 Uhr über die Ziellinie.

Meiner Kopfrechung nach habe ich ca. eine halbe Runde „Vorsprung“ auf Walter, als plane ich gleich voraus und gehe zu unserem Zelt um mir was anzuziehen und Geld für ein Bier zu holen. Auf dem Weg zurück zum Start und Ziel checke ich das erste Mal den Stand unseres Rennens. … und bin ganz ehrlich erstaunt. Walter ist uneinholbar in Führung und ich bin Dritter. Das kann ich dann gleich auch Walter so mitteilen, denn er kommt gerade in dem Moment ins Ziel.

Das Bier danach stellt sich als wohlverdient aber deutlich zu kalt heraus. Mir ist selbst mit Jeans und Winterwäsche schon kalt, Walter ist noch verschwitzt und nicht umgezogen… das ist selbst für den härtesten unter uns zu viel.

Ein KALTES Bier nach dem Rennen …

Wir beschließen sehr schnell ins Hotel zurückzugehen. Die 50 Höhenmeter bis zum Hotel wärmen uns wieder so weit auf, dass wir noch den Plan schmieden nach einer schnellen Dusche etwas zu Essen und ein Bier zu suchen. Dies ist nur von teilweisem Erfolg gekrönt, doch die mitternächtliche Nahrungszufuhr ist auch irgendwie gut zum herunterkommen.

Am nächsten Tag, optimieren wir die Frühstückzeit und sind rechtzeitig bei der Siegerehrung. Immer noch eher surreal für mich, überhaupt bei einer Siegerehrung zu sein, kommen die Veranstalter auch noch auf die Idee die Bundeshymne für Walter zu spielen.

Walter war ein viel gefragter Interviewpartner

Spätestens jetzt ist es eindeutig. Dieser Road-Trip nach Jihlava zum 12h Rennen hat sich mehr ausgezahlt. Wir kommen mit einem Doppelpodium und jeder Menge an guten Stories zurück. Das hat jedenfalls Wiederholungspotential … hoffentlich mit noch mehr RCM Beteiligung. Auch wenn das meine Podiumschancen wieder minimiert… (ist nicht weiter tragisch, ich hatte ohnehin nie damit gerechnet, dass ich bevor ich fast alleine in den Ü80 Klassen starte am Podium stehe )